Hallo!
Ich bin Jenni und nun 25 Jahre alt. An Silvester 2009 bekam ich die Diagnose Krebs.
Bis zu diesem Tag erfreute ich mich stets sehr guter Gesundheit und ich habe nie damit gerechnet, dass dies einmal nicht mehr so sein könnte. Man ist 23, das richtige Leben hat gerade erst angefangen und plötzlich ist alles ganz anders.
Man bekommt eine Chemotherapie. Was das bedeutet hat für mich.. von dem, wie ich mich vorher gefühlt habe, ist nichts mehr übrig gewesen, denn ich habe nach zwei Wochen keine Haare mehr gehabt.. Ich hatte sehr lange Haare und habe immer viel Wert auf mein Äußeres gelegt. Plötzlich ist das alles weg- auch das Gesicht war völlig verändert.. die Nebenwirkungen der Medikamente lassen es dick und krank aussehen. Ich habe mich manchmal nicht im Spiegel erkannt und ich kann mich erinnern, nicht nur einmal verzweifelt davor gestanden zu haben mit Tränen in den Augen. Einmal wollte ich nicht mit spazieren gehen, denn ich fand mich so hässlich, dass ich es nicht ertragen habe-mein Bruder hat mich dann aufgemuntert.
Das ist hart gewesen. Ich habe mich dennoch geweigert die Perücke zu tragen, denn das war nicht ich. Obwohl es einige Menschen draußen gab, die mich auslachten, tuschelten oder blöd geguckt haben, habe ich es nicht eingesehen mir das Ding aufzusetzen, auch wenn es bedeutete, dass ich mir so manche Träne verkneifen musste. Die Glatze habe ich mir nach der ersten Therapie jedoch regelrecht gewünscht- ich erinnere mich noch genau daran, wie ich zu meiner Mutter sagte, dass ich froh bin, wenn sie ausfallen, denn es ist einfach zuviel Mühe sie jeden Tag "herzurichten"-ich war froh, wenn ich das morgendliche Duschen hinter mir hatte.Das war ein Kraftakt und danach hat es mir jedes Mal den Kreislauf zusammengehauen.
Der Körper hat Einiges mitmachen müssen und ich bin an meine Grenzen gekommen und dachte, dass ich nicht mehr ertragen kann. Meine Stimmung war oft sehr schlecht..meine Mutter hat das abbekommen.Die Arme musste immer ganz tapfer sein und es aushalten.
Das alles habe ich überstanden.. ich hatte genauso neben den schlimmen Tagen auch Zeiten, wo ich sehr viel Kraft hatte und das auch wusste und sie auch nutzen konnte. Ich war oft sehr sehr glücklich.. so happy , dass ich die Welt umarmen wollte.. daran erinnere ich mich auch. Irgendwie war ich manchmal einfach nur glücklich, wenn ich mal keine Nebenwirkungen hatte und voller Appetit in meinen Toast gebissen habe oder in die Pizza.. oder mein Eis hatte!
Ich habe in der Zeit ganz viele Menschen kennengelernt.. sei es an den Therapietagen- wo ich manchmal 6 Stunden auf der Liege lag und das Gegengift in mich gepumpt wurde- dort hatte ich so viele intensive Unterhaltungen...oder auch in der Reha Katharinenhöhe im Schwarzwald.. wo ich Menschen in meinem Alter kennenlernte,die ich nicht vergessen werde.
Es war eine sehr harte Zeit..es gibt keinen Tag, an dem ich nicht daran denke. Meine Therapie ist nun schon viele Monate her.. Mir geht es körperlich sehr gut- ich mache regelmäßig Sport auf meinem Crosstrainer und zusätzlich Fitnesstraining.Meine Haare sind gewachsen und das Bild verändert sich ständig.
Ich habe auch aber immernoch sehr ruhige Tage, wo ich Niemanden sehen und hören möchte-Das war bei mir vorher auch schon so, aber vielleicht nicht ganz so stark ausgeprägt- wenn mein Kopf Ruhe ansagt, dann ist die Grenze da und ich brauche sie dann auch.
Ansonsten geht es mir gut.. ich habe alles mehr als gut überstanden- Es ist vorbei:)
Für Diejenigen, die das lesen und ihre Therapie noch vor sich haben: Ich will das nicht so schlimm darstellen oder so-Tatsächlich ist das Hodgkin Lymphom der Krebs mit der größten Heilungsrate.Die Therapien werden stetig verbessert.Die Nebenwirkungen treten bei jedem unterschiedlich stark auf. Aber ich hoffe darauf, dass es einfach zeigt, dass man trotzdem immer die Kraft haben wird und dass man es alles übersteht.. und dass man aus jedem Loch wieder rauskommt und dass es immer wieder weitergeht!